Waldbad-Spaß seit 100 Jahren

Am Anfang war unser Waldbad eher ein Froschtümpel. In den Jahrzehnten entwickelte es sich zum modernen Freibad und feierte im Jahr 2023 seinen 100. Geburtstag. Wenn die Fliesen und Bäume erzählen könnten...

Autor Sabine Müller
Veröffentlicht 19.06.2024
Kategorie: Waldbad
Reetdachschirme vor Freibad-Kulisse
Waldbad-Feeling

Erholung im Grünen seit 100 Jahren

Eröffnet wurde das Hildener Waldbad am 14. Juli 1923. Lange zuvor gab es schon Planungen, die aber ganz anders aussahen. Und auch das Weltgeschehen hatte auch seinen Einfluss darauf, was im kleinen Hilden bädertechnisch so passierte. Schon seit 1904 liefen Planungen für einen Schwimmbad. Man träumte von einem beheizten Hallenbad. Im August 1904 setzte die Stadtverordneten-Versammlung deshalb eine sechsköpfige Badeanstalt-Kommission ein. Sie sollte eine "öffentliche Warmbadeanstalt" vorbereiten. Die Planungen dauerten ihre Zeit. Zumindest die finanzielle Grundlage war bereits vorhanden. Am 27. Februar 1906 bewilligte der Hildener Stadtrat aus Anlass der Silberhochzeit des Kaiserpaares die Summe von 10.000 Reichsmark als Grundstock für eine städtische Badeanstalt.

Wo sollte das neue Schwimmbad aber gebaut werden? Am 24. Februar 1913, also sieben Jahre nach Beginn der Planungen, beschloss die Stadtverordneten-Versammlung, das städtische Grundstück an der Schul- und Klotzstraße für das künftige „Kaiser-Wilhelm-Bad“ zur Verfügung zu stellen. Der Erste Weltkrieg 1914 machte jedoch alle Pläne zunichte. Auf dem Grundstück wurde später das „Haus der Jugend“ gebaut.

Ein Freibad im Stadtwald

Die Inflation ließ die solide finanzielle Grundlage dahinschmelzen wie ein Eis in der Sonne. Die Kosten kletterten in ungeahnte Höhen, die absolut nicht mehr zu erreichen waren. Den Traum vom Schwimmbad ließen sich die Hildenerinnen und Hildener aber nicht nehmen. Um also trotz Inflation ein Schwimmbad bauen zu können, kam man auf die Idee eines Freibads zur Naherholung. Der Ort sollte gut von Sonnenlicht beschienen sein, denn beheizen konnte man ein Freibad damals noch nicht. Der heutige Standort im Hildener Stadtwald wurde bei einer Ortsbegehung festgelegt. Praktisch erschien, dass die benachbarten Teiche dem Schwimmbad Wasser zuleiteten. Außer dem kleinen, flachen Teich vor dem Waldbad gab es noch einen Froschteich dort, wo heute die Tennisanlage ist. Das Wasser dort erwärmte sich schnell und lief dann ins Waldbad-Schwimmbecken. Klar, dass da nicht nur das reine Wasser ankam, sondern auch mal der ein oder andere Frosch oder Kleingetier. Brrrr! Das war noch recht "naturnah". Kein Vergleich mit dem heutigen glasklaren Wasser und der Wasserqualität, die täglich geprüft wird.

Aber für die Menschen war das ein besonderer Luxus. Die Zeiten waren damals alles andere als einfach. Deutschland hatte den Ersten Weltkrieg verloren. Im benachbarten Barmen besetzten französische Soldaten im Morgengrauen Bahnhöfe, Rathaus und Banken. Das Waldbad war eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme im Rahmen der „Erwerbslosenfürsorge“. Gemeinsam schachtete man ein Rechteck dort aus, wo sich heute das Nichtschwimmerbecken befindet. Einfache Holzwände befestigten den Rand und den Boden des Schwimmbeckens.

Das Naturbad wird eröffnet

Weil es keinen Kaiser mehr gab, eröffnete Bürgermeister Dr. Erich Lerch (1920-1933) am 14. Juli 1923 kein „Kaiser-Wilhelm-Bad“, sondern ein „Naturbad“ an der Elberfelder Straße, den Vorläufer des heutigen Waldbades. „Luft, Licht, Wasser und Wald vereinen sich hier auf wunderbare Weise“, schwärmte Lerch bei der Eröffnung. Lange Reden folgten und zögerten den ersehnten Sprung ins Wasser hinaus. Herr Turninspektor Lichtentäler ließ die Gäste der Eröffnungsfeier 1923 lange in der Hitze schmoren. Denn er hielt einen „tiefschürfenden“ Vortrag über die Entwicklung des Badewesens und begann bei den orientalischen Völkern, den Griechen und Römern. Auch Karl der Große sei ein „vorzüglicher Schwimmer“ gewesen. Es dauerte, bis Lichtentäler endlich zum Ende kam: „Möge das Hildener Naturbad ein Brunnquell heiteren und gesunden Lebens sein!“ Anschließend konnten sich die Besucher endlich ins kühle Nass stürzen. Der Eintritt betrug damals 3.000 Mark - die Inflation überschlug sich. Für die Benutzung der Umkleiden mussten weitere 3.000 Mark bezahlt werden, pro Stunde, wohlgemerkt.

Aus dem Naturbad wird das heutige Waldbad

Ein halbes Jahrhundert später war das Waldbad mit nur einem Naturbecken nicht mehr zeitgemäß. Die Wasserqualität eines Naturbads entsprach nicht mehr den Ansprüchen der Gäste. Deshalb fasste der Hildener Stadtrat 1974 den Beschluss, das Waldbad für 7,3 Millionen D-Mark neu zu bauen. Planungen und Bau zogen sich glücklicherweise nicht so lange hin wie zu Beginn des Jahrhunderts. Der Tag der Eröffnung, 30. April 1977, war ein stolzer Tag in der Stadtgeschichte. Bürgermeisterin Dr. Ellen Wiederhold, die sich nur als Bürgermeister ansprechen ließ, begrüßte unter den 2.000 Gästen Kolleginnen und Kollegen aus Solingen und Monheim. Vermessungsdirektor Franz-Georg Brieden wagte den allerersten Sprung vom Zehn-Meter-Turm. Für die Hildener Bevölkerung und viele Menschen aus der weiteren Umgebung ist das Waldbad bis heute ein beliebtes Ziel zum Schwimmen, Planschen und Entspannen. Auf der 15.000 Quadratmeter großen Liegewiese findet man eigentlich immer nach Wunsch ein sonniges oder schattiges Plätzchen. Die Gästezahlen kletterten beständig und 2016 erreichte das Waldbad die 90.000-Gäste-Marke. 2015 kamen sogar mehr als 100.000 Gäste. Das ist nicht immer zu schaffen: 2014 gab es zum Beispiel einen besonders kühlen, nassen Sommer. Daher kamen nur 78.714 Besucherinnen und Besucher ins Waldbad. So ein Freibad ist eben eine sehr wetterabhängige Sache. Deshalb schauen wir bei jedem Saisonstart in den Himmel und hoffen auf einen Sommer, der diesen Namen verdient. Kommt ins Hildener Waldbad, wir freuen uns auf Euch!

Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Hilden
Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Hilden

Sabine Müller

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